Gesellschaft für Werdenberger Geschichte und Landeskunde

Wir trauern um Hermann Schol

09.03.2024

Unerwartet hat unser Kassier Hermann Schol am 19. Februar 2024 die grosse Reise in jenes Land angetreten, von dem keine Rückkehr mehr möglich ist. – Ein Nekrolog von Peter Lippuner, Winterthur.

Lieber Hermann

Der Schock sitzt tief. Erschrocken und unendlich traurig über diesen plötzlichen Abschied gehen mir viele Gedanken und Erlebnisse durch den Kopf. Es sind Erlebnisse, die uns in der langen Zeit unserer Bekanntheit einander näher gebracht haben. Beim Zurückdenken an Vergangenes wird mir so das Unfassbare vielleicht ein wenig besser fass- und begreifbar.

Ich durfte Dich Anfang der 2010er Jahre kennenlernen. Du warst Kassenverwalter verschiedener Vereine, darunter natürlich der «Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung der Region Werdenberg», des «Vereins Werdenberger Namenbuch» und ab 2017 der «Gesellschaft für Werdenberger Geschichte und Landeskunde WGL». In all diesen Jahren habe ich Dich als kompetenten, genau hinschauenden, kritischen, immer aber freundlichen und zugänglichen Kollegen kennengelernt. Ich erinnere mich an Sitzungen, in denen Du uns beraten, aber auch vor Fehlschlüssen und Fehlleistungen gewarnt hast. Deine Stimme wirkte und wirkt immer noch nach.

Ich erinnere mich aber auch an einen Hermann Schol, der als Buchverwalter etliche Tonnen Bücher bei sich zu Hause stapelte und «sein Eigen» nannte – und diese Bücher auch mit Stolz verwaltete. Ich sehe Dich, wie Du jeweils vor einem neuen Versand stundenlang Bücher eingepackt hast und sie dann zur Post brachtest. Später, als Du dies nicht mehr selbst konntest, haben andere den Weg für Dich gemacht. Als ich auf dem Weg zum Fuchser einmal bei Dir vorbeischaute und Dich um einige mir fehlende Exemplare des «Werdenberger Jahrbuchs» bat, hast Du mir die fehlenden Bücher in Kürze übergeben – und gleich weitere Bücher dazu, die sich in Deinem großen Archiv befanden. Hermann, Deine Ordnungsliebe war bewundernswert; ohne sie hätten die erwähnten Vereine erhebliche Probleme gehabt. Wer dies jetzt in Zukunft «für Dich» tun wird, ist unklar. Auf jeden Fall wird der kommende Ersatz gut daran tun, sich an Deinem System zu orientieren.

Oftmals, wenn meine Frau Helen und ich zum Fuchser am Seveler Berg fuhren, machten wir an der Dorfstraße 10 einen kurzen Halt und schauten bei Dir hinein. An sonnigen Feierabenden saßest Du mit Deinen Nachbarn und Freunden im Garten beim Bier. Ein kurzer Gang ins Gartenhäuschen – und wir konnten mit Dir ebenfalls anstoßen. Bei diesen Gelegenheiten ist uns bewusst geworden, was eine gute und treue Nachbarschaft für Dich bedeutete. Anita, Hans, aber auch Richi und andere jüngere Menschen saßen mit Dir zusammen und diskutierten über die neuesten Ereignisse in der Gemeinde, der Schweiz, ja manchmal der ganzen Welt. Da  konntest du dich erhitzen, warst Feuer und Flamme, dafür oder dagegen. Hier spürte man einen Hermann Schol, der, verwurzelt im heimatlichen Wartau, auch weit über die Gemeindegrenzen hinaus zu denken gewohnt war. Ich werde diese kurzen «Fontnaser Stopps» echt vermissen.

Dann kam die Zeit, in der Dir Deine Gesundheit immer mehr zu schaffen machte. Du konntest nicht mehr richtig gehen, Dein Nervenkostüm ließ Dich  allmählich im Stich. Alle ärztlichen Künste schienen dir nicht mehr helfen zu können. Was mir bei Dir, lieber Hermann, jedoch stets in Erinnerung bleiben wird, ist Dein manchmal verschmitztes, immer freundliches Lächeln. Du nahmst die körperlichen Beschwerden mit einer Selbstverständlichkeit auf Dich, die mich immer wieder erstaunte, aber auch beeindruckte. Da war einer, der sich gewohnt war, nicht zu klagen. Du schienst sagen zu wollen, «hört auf, mich zu bemitleiden, andere tragen auch ihren Rucksack – und der Meinige ist nicht einmal so schwer!». Wichtig bei dieser Aussage war immer wieder Dein Lächeln. Dies bleibt unvergesslich.

Und dann kam der Tag, den wir alle nicht kennen. ein Herz machte nicht mehr mit und ließ Dich jene Grenze überschreiten, die wir alle einmal begehen müssen. Still und  ohne großes Aufhebens bist Du hinübergegangen. Es würde mich nicht wundern, wenn Du auch diesen Schritt mit einem Lächeln gegangen wärst. Vielleicht hast Du unbewusst an Mark Aurel, den römischen Kaiser, gedacht, der von 161 bis 180 n. Chr. Chr.  regiert hat. Er soll einmal gesagt haben: Der Tod lächelt uns alle an. Das Einzige, was man machen kann, ist zurückzulächeln. 

Adieu, lieber Hermann, ruhe in Frieden.

Peter Lippuner, Winterthur
ehemaliger Präsident «Verein Werdenberger Namenbuch»
und Vorstandsmitglied Gesellschaft fĂĽr Werdenberger Geschichte und Landeskunde WGL

 

 

HJR