Dörflicher Arbeitsalltag im Wandel der Zeit

Am Freitag, 10. Oktober um 19.00 Uhr findet im Museum in der Alten Post in Weisstannen ein Bildvortrag statt zum Thema „Vu Chlipuura, Hannwärcher un Fabriggler“. Werner Hagmann, aus Sevelen stammender Historiker und Archivar, führt uns auf eine eindrückliche Reise durch den Arbeitsalltag unserer Vorfahren, der uns heute schon sehr weit weg erscheint.

Heute verändert sich die Arbeitswelt im Zuge des digitalen Wandels in atemberaubendem Tempo. Umbrüche von grosser Tragweite sind jedoch keineswegs eine Erscheinung erst unserer Tage: Bereits im 19. Jahrhundert bewirkte die fortschreitende Mechanisierung und Industrialisierung tiefgreifende Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Handarbeit wurde durch Maschinen ergänzt und zunehmend auch verdrängt. Der einst vorherrschende Agrarsektor büsste zugunsten der Industrie sukzessive an Bedeutung ein. Gleichzeitig setzte eine langsame, aber stete Ausweitung des vergleichsweise noch marginalen Dienstleistungsbereichs ein.

Harte Handarbeit in der Landwirtschaft

Wer heutzutags einen bäuerlichen Landmaschinenpark mit den gigantischen Erntemaschinen und Traktoren sieht, kann sich kaum mehr vorstellen, dass noch vor weniger als 100 Jahren Sichel und Sense die hauptsächlichen Erntewerkzeuge unserer kleinbäuerlichen Vorfahren waren. Die Mechanisierung steckte noch in den Kinderschuhen. Maschinen gab es kaum und mussten ohne Motor auskommen. Statt Traktoren waren im besten Fall Pferde, oft aber auch nur Ochsen oder sogar Kühe als Zugtiere im Einsatz. Hinzu kam, dass die ausgeprägte Zersplitterung der landwirtschaftlichen Grundstücke eine rationelle Bewirtschaftung erschwerte und mit langen, meist zu Fuss bewältigten Arbeitswegen verbunden war.

Kleingewerbler und Sticker

Noch vor wenigen Generationen gab es praktisch in jedem Dorf in der Region mindestens einen Schmid, einen Wagner, einen Müller, einen Metzger und oft noch verschiedene andere Kleingewerbe. Heute ist – wenn überhaupt – meist höchstens noch der Bäcker übriggeblieben.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte allmählich die Industrialisierung ein. Im Sarganserland entstanden die grossen Spinnereifabriken, im Werdenberg etwas später eine Weberei und dann vor allem die bald bald alles dominierende Stickereiindustrie. Mit dem Ersten Weltkrieg und dem Wandel der Mode setzte der Niedergang dieses einst blühenden Industriezweigs ein und stürzte die ganze Gegend in eine tiefe Krise. Erst nach und nach fassten neue Industrien Fuss.

Der Dienstleistungsbereich war noch bis ins 20. Jahrhundert hinein recht marginal. Hier boten vor allem Post und Bahn, gemeindeeigene Wasser- und Elektrizitätswerke, Lokalbanken, Gasthäuser sowie Handlungen für Lebensmittel und den Alltagsbedarf Arbeit und Verdienst. Besonders im Sarganserland spielte schon früh der Tourismus eine Rolle.

Werner Hagmann beleuchtet diese Entwicklung anhand einer Vielzahl eindrücklicher Bildquellen vor allem aus der Region Werdenberg.

Anmeldungen werden unter info@~@post-ab.ch oder 0793094679 entgegengenommen. Weitere Informationen zum Anlass finden sich unter www.post-ab.ch.